Wie groß der Fachkräftemangel in Kitas wirklich ist
Der Mangel an pädagogischen Fachkräften ist keine gefühlte Wahrnehmung, sondern in den amtlichen Daten klar belegt. Die Bertelsmann Stiftung bezifferte die Lücke zuletzt auf rund 98.600 fehlende Fachkräfte, der Schwerpunkt liegt deutlich in Westdeutschland. Parallel fehlen nach denselben Berechnungen mehr als 380.000 Kita-Plätze, weil ohne Personal auch keine Gruppen geöffnet werden können.
Wie angespannt die Lage in der Fläche ist, zeigt eine zweite Zahl: Nur etwa jede siebte Kita in Deutschland erreicht die wissenschaftlich empfohlene Personalbesetzung. In allen anderen Einrichtungen arbeitet das Team dauerhaft am Limit oder darüber.
Was die aktuellen Zahlen für 2025 und 2026 sagen
Das im Oktober 2025 veröffentlichte Fachkräftebarometer Frühe Bildung zeichnet ein differenzierteres Bild als in den Vorjahren. 2024 arbeiteten rund 935.000 Menschen in der Kindertagesbetreuung, das pädagogische und leitende Personal ist seit 2022 um etwa 54.000 Personen gewachsen. Die Zahl der gemeldeten offenen Erzieherstellen ging leicht zurück, auf rund 12.000. Diesen Stellen standen aber nur etwa 10.900 arbeitslos gemeldete Erzieherinnen und Erzieher gegenüber. Rein rechnerisch gibt es also nicht genug Fachkräfte, um die offenen Stellen zu besetzen, selbst wenn jede suchende Person sofort anfinge.
Gleichzeitig deutet sich ein Wendepunkt an. Sinkende Geburtenzahlen bremsen das jahrzehntelange Wachstum, und die Lage entwickelt sich regional auseinander. Während in Teilen Ostdeutschlands erstmals Spielraum entsteht, fehlen in vielen westdeutschen Regionen weiterhin Fachkräfte und Plätze. Verschärft wird das durch den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder, der ab August 2026 stufenweise greift und zusätzlichen Personalbedarf erzeugt.
Die wahren Ursachen hinter dem Mangel
Der Fachkräftemangel ist nicht über Nacht entstanden. Mehrere Entwicklungen wirken zusammen.
Jahrelang zu wenig ausgebildet
Über lange Zeit wurden in den Fachschulen zu wenige Erzieherinnen und Erzieher ausgebildet. Die Ausbildung war über weite Strecken unbezahlt und dauerte mehrere Jahre. Diese Hürde hat viele potenzielle Fachkräfte abgeschreckt, während der Betreuungsausbau den Bedarf gleichzeitig stark erhöhte. Die Schere zwischen Bedarf und Nachwuchs öffnete sich Jahr für Jahr.
Hohe Teilzeitquote
Ein großer Teil der Fachkräfte arbeitet in Teilzeit. Auf dem Papier ist das Personal vorhanden, in geleisteten Stunden fehlt es trotzdem. Wer den Mangel allein über Kopfzahlen betrachtet, unterschätzt ihn deshalb regelmäßig.
Belastung, Krankenstand und Fluktuation
Hier entsteht der gefährlichste Effekt, weil er sich selbst verstärkt. Fehlt Personal, steigt die Belastung der Verbliebenen. Mit der Belastung steigt der Krankenstand, der im Kita-Bereich 2023 mit rund 8,6 Prozent einen Höchstwert erreichte. In der DKLK-Studie 2025 berichteten 96 Prozent der Kitaleitungen, dass die hohe Arbeitsbelastung zu mehr Fehlzeiten und Krankschreibungen führt. Wer dauerhaft überlastet ist, reduziert Stunden oder kündigt, womit die nächste Lücke entsteht. Aus einem Personalproblem wird so ein Kreislauf.
Was kurzfristig hilft, aber seinen Preis hat
Wenn eine Gruppe akut nicht besetzt ist, brauchen Träger schnelle Lösungen. Zwei Wege sind verbreitet, beide haben einen Haken.
Zeitarbeit verschafft sofort eine Vertretung, ist aber teuer und löst das eigentliche Problem nicht. Die Kraft bleibt selten lange, das Team muss sich immer wieder neu einarbeiten, und die Kosten pro besetztem Monat sind hoch. Überstunden und das Aufdehnen vorhandener Verträge funktionieren ebenfalls, treiben aber genau den Krankenstand nach oben, der die Lücke erst geschaffen hat. Beide Maßnahmen sind als Brücke vertretbar, taugen aber nicht als Dauerlösung. Wie viel eine unbesetzte Stelle pro Monat tatsächlich kostet, lässt sich mit unserem Kosten-Rechner in zwei Minuten überschlagen.
Was nachhaltig hilft
Den bundesweiten Mangel kann kein einzelner Träger auflösen. Entscheidend ist deshalb eine andere Frage: Wer gewinnt im regionalen Wettbewerb um dieselben Fachkräfte? Diese Frage lässt sich beeinflussen.
Auch wechselbereite Fachkräfte erreichen
Die meisten qualifizierten Erzieherinnen und Erzieher sind bereits angestellt und suchen nicht aktiv. Klassische Jobportale erreichen nur den kleinen Teil, der gerade selbst sucht. Wer die deutlich größere Gruppe der latent Wechselbereiten gewinnen will, muss als Arbeitgeber dort sichtbar sein, wo diese Menschen täglich Zeit verbringen, also in den sozialen Netzwerken. Wie das konkret aussieht, beschreibt unser Leitfaden zu den besten Recruiting-Methoden für Kitas.
Den Bewerbungsprozess schlank halten
Jeder zusätzliche Klick kostet Bewerbungen. Ein mobiler Prozess, der in wenigen Minuten abgeschlossen ist, bringt mehr qualifizierte Kandidaten als ein langes Formular oder die Bitte, vollständige Unterlagen per E-Mail zu schicken. Ebenso wichtig ist Tempo bei der Rückmeldung, denn gute Bewerber sind oft innerhalb weniger Tage vergeben.
Bindung von Anfang an mitdenken
Eine Einstellung ist erst dann ein Erfolg, wenn die Person bleibt. Ein strukturierter Einstieg in den ersten Wochen senkt die Fluktuation, die das Personalproblem oft erst verursacht. Recruiting und Bindung gehören deshalb zusammen, nicht in getrennte Schubladen.
Den gesamten Weg von der Sichtbarkeit bis zum strukturierten Bewerbermanagement haben wir im Leitfaden zur Personalgewinnung für Kitas ausführlich beschrieben.
Warum Sichtbarkeit der entscheidende Hebel ist
Solange offene Stellen passiv ausgeschrieben werden, bewirbt sich nur, wer ohnehin gerade sucht. Das ist in einem leergefegten Markt zu wenig. Träger, die aktiv und planbar sichtbar werden, fischen nicht im selben kleinen Teich wie alle anderen, sondern sprechen auch die an, die noch gar nicht über einen Wechsel nachgedacht haben. Genau diese Aufgabe übernehmen wir als externe Abteilung für Personalwerbung, von der Kampagne bis zur Auswertung. Wie sich das über viele Einrichtungen hinweg umsetzen lässt, zeigen unsere Kundenergebnisse, darunter ein Träger mit über 100 Einrichtungen.
Fazit
Der Fachkräftemangel in der Kita bleibt eine der größten Herausforderungen der frühen Bildung, und er verschwindet nicht von allein. Wer ihn allein über Zeitarbeit und Überstunden abfedert, kauft sich Zeit zu hohen Kosten. Wer als Arbeitgeber sichtbar wird, wechselbereite Fachkräfte erreicht, schnell reagiert und Bindung mitdenkt, gewinnt den regionalen Wettbewerb um die wenigen verfügbaren Kräfte. Aus einem Glücksspiel wird so ein planbarer Prozess.
Wenn du wissen möchtest, wie sich das auf deine Einrichtungen übertragen lässt, buche dir ein kostenloses und unverbindliches Erstgespräch.
Häufige Fragen
Wie viele Fachkräfte fehlen in deutschen Kitas?
Die Bertelsmann Stiftung bezifferte den Mangel zuletzt auf rund 98.600 fehlende Fachkräfte, vor allem in Westdeutschland. Für 2030 gehen Prognosen je nach Annahme von rund 200.000 fehlenden Erzieherinnen und Erziehern aus. Das Fachkräftebarometer 2025 zeigt zugleich, dass die Lage regional stark auseinandergeht.
Was sind die Hauptursachen?
Über viele Jahre wurden zu wenige Fachkräfte ausgebildet, während der Betreuungsausbau den Bedarf erhöht hat. Dazu kommen eine hohe Teilzeitquote sowie ein hoher Krankenstand durch Überlastung, der die Fluktuation weiter antreibt.
Was hilft kurzfristig gegen offene Stellen?
Zeitarbeit und Überstunden verschaffen Luft, sind aber teuer und belasten das Team. Nachhaltiger ist es, als Arbeitgeber in der Region sichtbar zu werden und auch Fachkräfte zu erreichen, die nicht aktiv suchen.
Lässt sich der Mangel mit Recruiting überhaupt lösen?
Den bundesweiten Mangel kann kein einzelner Träger auflösen. Im regionalen Wettbewerb um dieselben Fachkräfte entscheidet aber, wer sichtbar und schnell ist. Dort lassen sich Stellen planbar besetzen.









